Linux-Migration - Case Story |
Open-Source-Migration im Bundeskartellamt
s+c migriert Windows-Server auf Linux
Es war ein Pilotprojekt der besonderen Art. Im Rahmen des von der Bundesregierung verabschiedeten Anti-Terror-Pakets prüfte das Bundesamt für Sicherheit in der Informationsverarbeitung (BSI) die Möglichkeiten, Open-Source-Lösungen bei Bundesbehörden einzusetzen.
Neben zwei weiteren Behörden wurde 2002 das Bundeskartellamt ausgewählt, auf Linux und freie Software zu migrieren. Innerhalb einer Projektlaufzeit von nur drei Monaten realisierte die science + computing ag als Konsortialführer und Projektleiter gemeinsam mit der univention_ GmbH und der Linux Information Systems AG das Open-Source-Projekt. Kreativer Pragmatismus zeichnete von Anfang an die Zusammenarbeit aus. "Als beispielsweise einer der Printer-Server im Hause schon zu Projektbeginn seinen Geist aufgab, setzten unsere Partner einfach über Nacht einen Samba-Server auf", berichtet Stephan Orti von Havranek, IT-Verantwortlicher im Kartellamt.
Sichere und robuste IT-Landschaft
Von der Umstellung auf Open-Source-Angebote versprach sich Christel Marquardt, Projektleiterin beim BSI, "eine sicherere und robustere IT-Landschaft". Zudem sollte auf diesem Weg die Administration vereinfacht, die Abhängigkeiten von proprietärer Software gesenkt und nicht zuletzt Geld gespart werden. Dafür wurde zunächst die bisherige Windows NT-Domäne durch den Verzeichnisdienst OpenLDAP und Samba ersetzt. Hinzu kamen unter anderem der Austausch mehrerer proprietärer Datenbanken und des bis dato benutzten Content-Management-Systems durch offene Software-Lösungen.
Weniger ist mehr
Die Serverzahl wurde durch die Konsolidierung von 17 auf sieben verringert - ohne die Anschaffung neuer Hardware und bei gleichzeitiger Verbesserung der Performance, Stabilität und Verfügbarkeit. Auch das neu entwickelte Server-Migrationskonzept sorgte für angenehme Überraschungen. Es machte nahezu keine Veränderung an den Clients erforderlich. Dadurch konnten die Benutzer von den Vorteilen der Server-Migration profitieren und zugleich ungestört weiter arbeiten. "Als das Projekt bereits fast abgeschlossen war, kam ein Mitarbeiter auf mich zu und fragte, wann denn nun die Migration sei", erinnert sich Stephan Orti von Havranek.
Gut vorbereitet
Doch auch die Vorbereitung auf eine mittelfristige Umstellung der Clients, ebenfalls von Windows nach Linux, war Teil der Server-Migration. Deshalb wurden serverseitig zahlreiche plattformunabhängige Schnittstellen wie PostgreSQL, SAP DB und MySQL geschaffen. MS Access 2000 und die mit Visual-Basic selbstentwickelten Anwendungen des Kartellamts blieben als Frontend vorläufig bestehen und wurden einfach an die neuen Schnittstellen angepasst.
Mustergültig
Da für die Kartellamts-Administratoren Linux und Open-Source zwar keine Fremdworte waren, die Umstellung zunächst jedoch einen erheblichen Arbeitsaufwand bedeutete, waren effektive Schulungen und umfassender Support des Konsortiums für den IT-Verantwortlichen Havranek besonders wichtig. Getreu dem Motto "Hilfe zur Selbsthilfe" wurde so nicht nur von Anfang an der reibungslose Betrieb der neuen Server-Landschaft sichergestellt, sondern auch die stetige Weiterqualifikation der Kartellamts-Administratoren zu selbstständigen Linux-Profis gefördert. Inzwischen sind die guten Erfahrungen der Open-Source-Migration in einen Migrationsleitfaden des BSI eingeflossen. Interessierte Behörden können sich nun von dem mustergültigen Pilotprojekt inspirieren lassen und die Vorteile einer solche Migration en détail kennen lernen.
